Wohnmobil-Isolierung mit Armaflex & Co


Die Wohnmobil-Isolierung ist einer der ersten Arbeitsschritte im Ausbau. Erst anschließend startet der Ausbau mit Möbeln, Elektrik und mehr. ​Um häufige Fehler zu vermeiden, haben wir dir diesen Ratgeber zusammengestellt. Welche Arbeitsschritte zu beachten sind und welches Material verwendet wird, erfährst du hier. Viel Spaß beim Studieren und Nachbauen!

TIPPS & TRICKS FÜR DIE WOHNMOBIL-ISOLIERUNG

Unsere eigenen Erfahrungen in Verbindung mit umfassender Recherche in der Campervan-Community ergeben diese Zusammenfassung zum Thema Isolieren mit Armaflex und Co. Wir ​thematisieren die häufigsten Fragen und wollen die jeweils objektiv sinnvollste Antwort geben. Denn: je mehr man zu Wohnmobil-Isolierung bzw. Wohnmobil-Dämmung liest (allein die genaue Definition führt zu einigen Diskussionen), desto mehr unterschiedliche Meinungen und vermeintliche Wahrheiten wird man finden. Am Ende geht es bei der Camper-Isolierung um folgendes:

  • ​Isolierung, damit die Hitze im Sommer draußen bleibt.
  • ​Isolierung, damit die Kälte im Herbst/Winter draußen bleibt.
  • ​Dämmung, damit Fahrgeräusche weniger stören.
  • ​Generelle Dämmung gegen Geräusche von außen.

Neben diesen generellen Zielen gibt es bei der Umsetzung der Camper-Isolierung einige Dinge zu berücksichtigen. Diese erläutere ich dir in den folgenden Abschnitten.

WOHNMOBIL-ISOLIERUNG: Anleitungsvideo & Praxistipps

CAMPER ISOLIEREN: TAUPUNKT UND ROSTVERMEIDUNG

Ein Stichwort, ​das im Kontext der Camper-Isolierung häufig mit angesprochen wird, ist der Taupunkt. Was es damit auf sich hat​?
Zunächst ​eine kurze Definition: „Der Taupunkt, auch die Taupunkttemperatur, ist die​ Temperatur, die bei konstantem Druck unterschritten werden muss, damit sich Wasserdampf als Tau oder Nebel aus feuchter Luft abscheiden kann…“(Quelle: Wikipedia.com).

Neben den bereits oben aufgeführten Punkten ​hat die Isolierung a​uch ​(großen) Einfluss auf das Thema Rost. ​Beim Schlafen oder Kochen im Campingbus wird eine Menge Feuchtigkeit an die Luft abgegeben. Pro Nacht und Person spricht man von rund ​einem halben Liter Wasser. Je nach Temperatur kann die Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen (je höher, desto mehr…). Wenn das Maximum erreicht ist, spricht man von einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100%. Relativ, da die absolute ​Luftfeuchtigkeit je nach Temperatur unterschiedlich ist. Wenn wärmere ​Innenluft ​mit einer kühleren​​, nicht isolierten Innenwand in Berührung kommt, schlägt sich diese als Tautropfen nieder. Die Feuchtigkeit kriecht in alle Ecken und begünstigt mittelfristig Rost im Innenraum des Campers.

Aus diesem Grund wird die Isolierung im besten Fall direkt ohne Lücke auf das Innenblech geklebt. Ziel ist eine Art „fließender Übergang“ des Temperaturgefälles von ​innen nach ​außen. Im besten Fall schlägt sich dann nämlich ​(zumindest an den isolierten Wänden) gar keine Feuchtigkeit nieder.

WOHNMOBIL-ISOLIERUNG: DIE DOS AND DON’TS

1. KASTENWAGEN ISOLIEREN MIT GLAS- UND STEINWOLLE: BESSER NICHT!

Auf Youtube finden sich gleich mehrere Camper Van-Videos, in denen kratzige und zudem ungesunde Glaswolle oder auch Steinwolle verarbeitet wurde. Um gerade die kleinen Ecken und Hohlräume des Kastenwagens zu isolieren, werden Fetzen des Materials verwendet. Das Problem dabei: Die Wolle nimmt Feuchtigkeit auf. Früher oder später riecht es muffig und man hat in gewissermaßen nasse Schwämme im Blech verbaut. Abhilfe soll eine zusätzliche Dampfsperre (Folien) verschaffen. Doch bei deren Verarbeitung muss auf besondere Sorgfalt geachtet werden, denn das Endresultat darf keine Lücken, Löcher oder feine Risse aufweisen. Generell ist allerdings die Verarbeitung der Extra-Dampfsperre ohnehin infrage zu stellen, da man den Innenraum nie 100% dicht bekommt.

2. ARMAFLEX-ISOLIERUNG: NIMMT KEINE FEUCHTIGKEIT AUF und LÄSST SICH GUT VERARBEITEN.

Als eine Art Geheimtipp hat sich die Kastenwagen- und Camper-Isolierung mit Armaflex Matten etabliert. Auf Rollen zu 3m (1/2 Karton) bzw. 6m Länge (ganzer Karton) gibt es die selbstklebenden Dämmmatten in unterschiedlichen Stärken ​zwischen 6 ​und 32mm. Je nach Stelle, an der die Isolierung angebracht werden soll, lässt sich das Material mit einer scharfen Schere oder einem Cutter-Messer zurechtschneiden. Durch die unterschiedlichen Dicken der Armaflex-Matten kann z.B. für die Isolierung der Holme und unebenen Flächen eine dünnere Materialschicht verwendet werden. 

3. ARMAFLEX SELBSTKLEBEND: HÄLT ES AUCH DAUERHAFT?

Inzwischen kann ich auf eine gewisse Erfahrung mit der Verarbeitung von Armaflex zurückgreifen und habe mich auch bei vielen Ausbaukollegen informiert. Wie verhält sich Armaflex bei längerer Hitze beim Urlaub im Süden? Hält es auch noch bei "arktischer" Kälte? Beides lässt kann ich aufgrund meiner Erfahrungen und Recherchen mit Ja beantworten. Wichtig ist die absolut saubere Verarbeitung beim Aufkleben. Die Oberfläche muss nicht nur so staubfrei wie möglich, sondern auch fettfrei sein.

Idealerweise wird das selbstklebende Armaflex nur bei „milden Temperaturen“ verarbeitet. Berücksichtigt man diese Hinweise und wird es ohne Lufteinschlüsse angeklebt, hält es Jahre. Ein Tipp für die Versiegelung der Nähte aus meinem Video zur Wohnmobil- bzw. Kastenwagen-Isolierung ist selbstklebendes Armaflex-Band. Das nur 3mm starke und 50mm breite „Armaflex-Klebeband“ lässt sich ganz hervorragend über die Stoßkanten der großen Matten verkleben. Damit wird die Isolationsschicht im Campervan zusätzlich geschützt und  versiegelt. 

4. Armaflex Isolierung: Welche Dicke, 19mm oder mehr?

Wenn du für die Dämmung den Xtrem-Isolator Armaflex wählst, fragst du dich vermutlich, welche Dicke die Richtige ist. Die Antwort ist auch hier einfach: Es kommt darauf an ;-) Aber wenn man den Sonderfall von "Polar-Expeditionen" bzw. Wintercamping mal außen vor lässt, kann ich hier doch schon eine Empfehlung aussprechen. Bei mir selbst und auch bei den meisten Ausbauten die ich gesehen habe, hat sich 19mm Armaflex als ideal erwiesen. Es lässt sich noch recht gut verarbeiten und so auf alle großen Flächen aufkleben. Für Holme und diverse weitere Übergänge bietet sich 9mm dickes Armaflex an. Das 19mm ist hier nicht gut geeignet, da es für starke Biegungen nicht gut geeignet ist und im Zweifel dort nicht richtig haftet. 

5. ALUBUTYL FÜR WENIGER SCHEPPERN

Zur verbesserten Schalldämmung hat sich auch ein zweites Produkt sehr bewährt: Alubutyl. Wie auch beim Armaflex handelt es sich um gerollte Matten mit einer selbstklebenden Rückseite. Dies vereinfacht die Verarbeitung enorm. Mit einem Cutter können die benötigten Flächen recht einfach zugeschnitten werden. Wichtig: es werden nicht große Flächen, sondern nur „kleinere Tafeln“ verarbeitet. Um diese Tafeln, die etwa ein 1/4 der gesamten Fläche eines Wandelements einnehmen, verbleibt so noch freie Fläche. Diese wird benötigt, um als nächste Schicht das Armaflex gut mit der Wand verkleben zu können. Alubutyl lässt sich recht gut mit dem Cutter-Messer schneiden. Die fertigen Alubutylflächen. Die fertigen Alubutylflächen. Bei der Verarbeitung muss man etwas aufpassen, denn die Aluschicht ist an den Rändern scharf. Man kann sich beim Anbringen leicht verletzten. Nachdem die Maße für das nächste Stück bestimmt sind, lassen sich die Tafeln recht gut mit dem Cutter-Messer zurechtschneiden. Ein Geheimtipp für das Anbringen ist ein Tapetenr​oller aus dem Baumarkt. Mit ihm kann das Alubutyl sehr gut angebracht und festgerollt werden. Um die Verarbeitung noch zu erleichtern, habe ich mit einem Föhn ​jede Tafel vorm Anbringen kurz ganz leicht erwärmt.

5. BODEN ISOLIEREN: ja oder nein?

Frage: Soll ich den Boden meines Kastenwagens isolieren oder nicht? Die Antwort ist einfach: Es kommt darauf an. Ob man den Boden mit Armaflex – oder auch anderen Materialien – isoliert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Als erstes wäre da die Frage nach dem Einsatzzweck des Reisemobils und der Jahreszeit, in der verreist werden soll. Wenn z.B. primär Urlaub und Touren im Sommer und in warmen Gegenden geplant sind, wird man keine Probleme mit Fußkälte im Bus haben. Möchte man mit seinem Campervan auch im Frühjahr oder Herbst unterwegs sein, macht eine Isolierung des Bodens schon wieder Sinn. In meinem Fall ​ist zusätzlich die Stehhöhe im Bus in die Entscheidungsfindung mit eingeflossen. Im Ist-Zustand ohne Bodenisolierung kann ich im Bus gerade so stehen. Nur meine Haare berühren ein wenig die Holzdecke. Ein Freund (auch mit Hochdach-Sprinter und Holzdecke) hat seinen Boden recht ​aufwändig mit dicken Styrodur isoliert. Er mag im Herbst nun weniger kalte Füße bekommen als ich, kann in seinem Bus jedoch nicht mehr gerade stehen. Das war zumindest für mich ein KO-Kriterium für die Fußbodenisolierung. Anders mag es sein, wenn man in seinem Bus (z.B. einem Bulli o.ä. ohne Hochdach​) ​ohnehin nicht aufrecht stehen kann. Dann stört es auch nicht, durch die Isolierung noch 3-5cm ​zu verlieren.

KASTENWAGEN ISOLIEREN LEICHT GEMACHT

Wenn du wie ich einen Kasten dein Eigen nennst, wirst du auch vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Es müssen sowohl große Flächen, als auch verwinkelte Ecken und Nischen isoliert werden. Ziel ist es, alle freien Blechflächen mit dem Isolationsmaterial zu bedecken. So wird die bereits angesprochene Taupunktproblematik angegangen. Mit etwas Geschick ist die Isolierung des Kastenwagens jedoch gar nicht so schwierig. Am einfachsten geht es​ unter Verwendung des bereits angesprochenen, selbstklebenden Armaflex. Man schneidet einfach große Flächen ​zurecht - die Schutzfolie wird erst später abgezogen. Die Stücken lassen sich recht einfach anpassen, auch Rundungen können gut geschnitten werden. Schwieriger ist die Kastenwagen-Isolierung ​an Holmen und Verstrebungen. Tipp: Hier sollte mit deutlich kleineren Teilabschnitten gearbeitet werden​, weil dies die Verarbeitung an schwierigen Stellen erleichtert. ​Bereiche, an denen das Armaflex Stoß auf Stoß gelegt wurde, können später mit 2-3mm dünnem und gut 5cm breitem Armaflex-Band versiegelt werden. So lassen sich auch schwierige Abschnitte im Ganzen gut isolieren.

X-TREM ISOLATOR fürs Wohnmobil: Was ist das?

​Bei der Isolierung des Wohnmobils bzw. des Kastenwagens stößt man recht schnell auch auf den Begriff "X-Trem Isolator". Doch was ist daran "X-Trem" und warum ist dieses Material so gut geeignet? Am einfachsten lässt sich der X-Trem Isolator mit einer Camping-Isomatte vergleichen. Nicht die einfachen bunten, die man auch gelegentlich beim Discounter um die Ecke bekommt, sondern die (meist schwarzen) dickeren aus einem recht weichen Schaummaterial. In der Schaumstruktur liegt das Geheimnis: Es ist geschlossenporig, geschmeidig und lässt sich z.B. mit einem scharfen Teppichmesser sehr gut verarbeiten. Durch die geschlossenporige Struktur kann keine Feuchtigkeit eindringen, was der besondere Vorteil gegenüber anderen Isolatoren ist. Den X-Trem Isolator gibt es sowohl als selbstklebende Variante, als auch ohne Kleboberfläche. Bei letzterem muss ein separater Kleber für die Montage verwendet werden.

DAS WIRD BENÖTIGT: EINKAUFSLISTE WOHNMOBIL-ISOLIERUNG

Die benötigte Menge Armaflex lässt sich ​schwer bestimmen. Für einen Bus (Sprinter) in der Ausführung L2/H2 kannst du grob mit den unten angegebenen Mengen rechnen. Je nachdem, wie sauber oder „gröber“ gearbeitet wird, musst du über eine größere Menge Verschnittmaterial ggf. mit einer Rolle mehr rechnen.

Tipp: Über die Vanlife Germany-Community kannst du über regionale Gruppen leicht andere Selbstausbauer finden, die ggf. noch Reste übrig haben. Sollte dir also am Schluss noch etwas Armaflex fehlen oder wenn du selbst etwas über hast, wirst du hier fündig.